Früherkennung Harnblasenkrebs

Photodynamische Diagnostik (PDD)


Einleitung

Harnblasenkrebs ist der fünfthäufigste Krebs beim Mann und der zehnthäufigste Krebs bei der Frau. In der Urologie zählt er zu der dritthäufigsten urologischen Krebsentität (Häufigkeit). Der Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Harnblasenkrebs ist das Rauchen, wobei auch das Passivrauchen das Risiko der Entstehung einer Blasentumorerkrankung erhöht. Harnblasenkrebs gilt nach dem Bronchialkrebs als die zweithäufigste Krebserkrankung bei Rauchern.

Infolge der hohen Belastung durch biogene Amine sind Beschäftigte in der Farbstoffindustrie, in der chemischen und petrochemischen Industrie und in Teer verarbeitenden Betrieben signifikant stärker gefährdet, an Harnblasenkrebs zu erkranken.

Auch eine übermäßige Strahlenbelastung nach externer Strahlentherapie im kleinen Becken sowie chronische Harnblasenentzündungen, Harnblasen-Entleerungsstörungen, Zytostatika (chemotherapeutische Medikamente) können Blasenkrebs verursachen.

In tropischen und subtropischen Ländern (zum Beispiel in Ägypten) kann das Harnblasenkarzinom als Spätfolge einer Bilharziose (tropische Infektionskrankheit) auftreten. Diese Erkrankung wird durch einen im Süßwasser lebenden Parasiten (Saugwurm) hervorgerufen, welcher durch die Haut in den menschlichen Organismus eindringt, sich als Wirt über die Blutbahn ausbreiten  und in der menschlichen Harnblasenwand einnisten kann. Innerhalb der Harnblasenwand kann dieser Parasit eine Blasenkrebserkrankung hervorrufen.

In frühen Stadien macht der Harnblasenkrebs in der Regel keine oder nur wenig Beschwerden. Ein erstes Alarmzeichen ist das schmerzlose Auftreten von Blut im Urin (schmerzlose Hämaturie), das sich mikroskopisch (Mikrohämaturie) nachweisen oder bereits mit dem bloßen Auge (Makrohämaturie) erkennen lässt.

Ebenso – dann in der Regel mit Schmerzen beim Urinieren – kann Blut im Urin auch ein Anzeichen anderer, meist entzündlicher Erkrankungen mit bakterieller Ursache im oberen und/oder unteren Harntrakt (Nieren/Harnleiter/Harnblase/Harnröhre) sein.

Wesentlicher Bestandteil der Diagnostik bei Verdacht auf Blasenkrebs ist die Urinanalyse, die Sonographie (Ultraschalluntersuchung), die digitale Röntgenuntersuchung der Nieren und der Harnleiter sowie eine Harnblasenspiegelung (Zystoskopie).

All diese Untersuchungen, insbesondere die radiologische Darstellung der Harnwege, führen wir mit modernster digitaler Röntgentechnik in unserer Praxis durch.

Aufgrund der Tatsache, dass der Harnblasenkrebs oftmals multilokulär (also an mehreren Stellen innerhalb der Harnblase) wächst und nicht immer sowohl bei der Erstdiagnose wie auch bei der Rezidivabklärung in der normalen Weißlicht-Endoskopie erkannt werden kann und damit übersehen wird, bietet die photodynamische Diagnostik (PDD) einen entscheidenden Vorteil: Krebsareale lassen sich farblich darstellen.

Die photodynamische Diagnostik ist eine minimal-invasive (ohne operativen Eingriff) Diagnose-Möglichkeit zur Erkennung von primär unscheinbarem (unsichtbarem) Harnblasenkrebs

Das diagnostische Prinzip dieser Technik beruht darauf, dass sich Krebszellen in der Harnblase mit einer Substanz, die unter örtlicher Betäubung zirka 60 Minuten vor der Durchführung der Untersuchung über einen dünnen Katheter in die Harnblase gefüllt wird, selektiv anfärben lassen. Dabei wird die Harnblase bei der nachfolgenden Untersuchung über ein Endoskop mit ultraviolettem Licht ausgeleuchtet. Krebsareale in der Harnblasenschleimhaut erscheinen selektiv rötlich und können gezielt mit einer Elektroschlinge oder dem Laserstrahl entfernt werden.

Tumorzellen, die unter der herkömmlichen Weißlicht-Endoskopie übersehen werden, können mit dem PDD-Verfahren sicher erkannt werden.

Der Vorteil dieser Technik besteht darin, dass das Risiko, Tumore in der Harnblase zu übersehen, signifikant gesenkt werden kann. Insbesondere auch in der Rezidivdiagnostik sprich in einer Kontrollendoskopie nach bereits erfolgter Blasentumorentfernung bietet die PDD den Vorteil, dass Rezidivtumore besser und damit früher erkannt werden können.

Aufgrund der Tatsache, dass ein Harnblasenkrebs nur im Frühstadium durch konsequente und vollständige transurethrale Resektion (Entfernung des Tumors endoskopisch mithilfe eines Resektoskopes über die Harnröhre) geheilt werden kann, bietet die PDD den entscheidenden Vorteil, dass die Wahrscheinlichkeit, Tumorgewebe zu übersehen, sehr gering ist.